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Wie wird ein Experiment durchgeführt?

Am Anfang steht die Idee.

Die Idee zu einem Experiment kann ganz unterschiedlicher Art sein. Oft werden die Vorhersagen wirtschaftswissenschaftlicher Theorien im Experiment getestet und weiter entwickelt. Andere Experimente überprüfen real existierende oder angedachte Institutionen quasi im „Windkanal“. Auch für die Ausbildung von Studierenden und Praktikern werden Laborexperimente eingesetzt.

Der Entwurf des Experiments

Beim „Design“ des Experimentes werden das zugrunde liegende „Spiel“, dessen Parameter und die monetären Anreize spezifiziert. Dabei können Präferenzen, Technologien und andere ökonomisch relevante Parameter perfekt induziert und kontrolliert werden. Oft wird zwischen zwei zu vergleichenden Anordnungen nur ein einziger Parameter verändert. Dadurch können Veränderungen im Verhalten der Versuchspersonen genau auf diesen einen Parameter zurückgeführt werden.

Die Organisation des Experiments

Die Teilnahme an wirtschaftswissenschaftlichen Experimenten ist freiwillig. Interessenten können sich in der Online-Datenbank des Laboratoriums eintragen. Wenn ein neues Experiment durchgeführt wird, erhalten die Eingetragenen eine Einladung per E-Mail und könne sich für eine Sitzung des Experiments anmelden. Dabei können Experimentatoren die einzuladenden Teilnehmer (meistens, aber nicht ausschließlich Studierende der Universität zu Köln) auch anhand verschiedener Charakteristika wie Studienfach und Beruf, Teilnahme an vorangegangen Experimenten und vielem mehr auswählen.

Vor dem Experiment müssen die Instruktionen entworfen und die Software programmiert und getestet werden.

Die Durchführung des Experimentes

Die Teilnehmer werden im Laboratorium vom Experimentator empfangen und den Laborplätzen zugelost. Jeder Laborplatz ist mit Computer, Monitor, Eingabegeräten und Sichtschutz ausgestattet. Die Computer sind durch ein Netzwerk mit einem Experimentserver verbunden, auf dem das Experimentprogramm ausgeführt wird, welches die Entscheidungsdaten zentral verarbeitet und die Ausgabe an den Laborplätzen steuert.

Nachdem die Teilnehmer Platz genommen haben, erhalten sie die Instruktionen zur Experimentdurchführung. Fragen werden beantwortet, die Kommunikation zwischen den Teilnehmern ist jedoch oft bis zum Ende des Experiments nicht erlaubt.

Im Experiment erscheinen auf den Bildschirmen der Laborplätze je nach Experiment verschiedene Masken, in denen über die Entscheidungen der anderen Teilnehmer, Zufallszüge oder Auszahlungen informiert wird, und auf denen die Teilnehmer ihre eigenen Entscheidungen eingeben.

Die Entlohnung der Teilnehmer ergibt sich gemäß den jeweiligen Instruktionen des Experimentes aus den Regeln und Entscheidungen. Am Ende des Experiments werden alle Teilnehmer separat in bar ausgezahlt und entlassen.

Die Auswertung des Experiments

Die im Experiment gesammelten Daten werden mit wirtschaftstheoretischen, statistischen und ökonometrischen Methoden ausgewertet. Unerwartete Ergebnisse werden oft in weiteren Anordnungen überprüft. Die Ergebnisse und Schlussfolgerungen werden typischerweise in Forschungsarbeiten veröffentlicht.

Was für Experimente werden durchgeführt?

Am Kölner Laboratorium für Wirtschaftsforschung werden eine Vielzahl an wirtschaftswissenschaftlichen Fragestellungen bearbeitet. Die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Axel Ockenfels beschäftigt sich gleichermaßen mit institutionellen („Marktdesign“) und verhaltenswissenschaftlichen („behavioral economics“) Aspekten ökonomischer Interaktion.

Marktdesigner beschäftigen sich mit der Frage, wie die Regeln, nach denen ökonomische Institutionen funktionieren, optimal ausgestaltet werden müssen. Zwei Problembereiche sind dabei von besonderer Bedeutung: Marktteilnehmer verhalten sich zuweilen anders, als es die ökonomische Entscheidungstheorie prognostiziert; und die Interaktionsformen der Marktteilnehmer sind oftmals zu vielschichtig, als dass sie durch mathematische Modelle alleine vollständig erfasst und optimiert werden könnten. Marktdesign erfordert daher den Einsatz komplementärer theoretischer und experimenteller Methoden.

Zu den Forschungsschwerpunkten am Kölner Laboratorium gehören Internet-spezifische Fragen der optimalen Gestaltung von Auktionsplattformen, elektronischen Verhandlungen und Reputationsmechanismen; das Design von Energiemärkten und anderen Märkten in Infrastrukturindustrien; die Entwicklung von Regeln und Prozeduren bei politischen Prozessen, Wahlen und z.B. bei der Forschungsmittelallokation, die Verbesserung von Prognosen durch experimentelle Märkte etc. Letztlich ist es das Forschungsziel, moderne, praxistaugliche Algorithmen für neue und verbesserte Marktplätze und andere ökonomische und soziale Institutionen zu entwickeln.

In einem zweiten, komplementären Forschungsschwerpunkt wird untersucht, inwieweit die Grenzen kognitiver Fähigkeiten und egoistischer Motivationen für das Verständnis realen ökonomischen Verhaltens entscheidend sind. Ziel ist es, die wechselseitigen Auswirkungen von sozialen Präferenzen und eingeschränkter Rationalität auf der einen Seite und der Architektur ökonomischer Regelwerke auf der anderen Seite besser zu verstehen und modellhaft weiter zu entwickeln.